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Presse-Mitteilung Februar 2006

Neben- und Wechselwirkungen von Arzneien
(Fernsehbeitrag SWR BW, Praxis Dr. Weiss, 23.02.2006)

Neue Medikamente verbessern die Therapien. Aber sie bereiten den Ärzten zugleich viel Kopfzerbrechen. Denn in Deutschland sind mittlerweile mehr als 40 000 Präparate mit fast 2500 verschiedenen Inhaltsstoffen zugelassen.

Entsprechend groß ist die Zahl an Neben- und Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer Arzneimittel. In Deutschland werden bereits rund 5 Prozent der Krankenhauspatienten wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen behandelt. In den USA sind die Nebenwirkungen von Medikamenten sogar die sechsthäufigste Todesursache in Kliniken.

Beipackzettel - wichtig, aber oft unverständlich
Allgemein spricht man von einer Wechselwirkung, wenn die Wirkung eines bestimmten Arzneimittels durch gleichzeitig eingenommene Medikamente oder Lebensmittel gehemmt, gesteigert oder ganz aufgehoben wird. Außerdem können Arzneimittel unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Alle Informationen über ein Arzneimittel, die für die richtige Anwendung eines Präparats wichtig sind, sind im so genannten Beipackzettel enthalten. Der Patient wird darüber informiert, wie eine versehentlich falsche Anwendung vermieden werden und das Medikament die gewünschte Wirkung auch entfalten kann. Die Packungsbeilagen sind allerdings oft sehr kompliziert. Untersuchungen haben gezeigt, dass manche Patienten alleine schon deshalb ihre Medikamente gar nicht oder falsch einnehmen. Trotzdem sind die Beipackzettel eine wichtige Grundlage zur genauen Einnahme. Nur dann ist die optimale Wirkung eines Heilmittels garantiert. Dies gilt sowohl für rezeptpflichtigen wie auch für rezeptfreien Arzneimitteln.

Pillen-Kombinationen können gefährlich sein
Besonders ältere Patienten nehmen oft gleichzeitig eine Vielzahl von Substanzen verschiedenster Wirkprinzipien ein. Das kann besonders dann gefährlich werden, wenn ein Arzt solchen Patienten zusätzliche Mittel verschreibt oder der Patient weitere freiverkäufliche Mittel schluckt. Dazu einige Beispiele: Johanniskraut-Präparate können verhindern, dass andere Medikamente ihre volle Wirkung entfalten. Die Pille beispielsweise wirkt in Kombination mit Johanniskraut nicht mehr zuverlässig. Acetylsalicylsäure (ASS) kann die Wirkung anderer Medikamente verstärken oder abschwächen. Bei gleichzeitiger Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten wie Marcumar oder Heparin besteht eine erhöhte Blutungsgefahr. Kalziumtabletten können die Wirkung von Herzmitteln verstärken. Mögliche Folge sind Herz-Rhythmus-Störungen. Grapefruitsaft erhöht die Wirkung anderer Medikamente um bis zu 70 Prozent, dazu zählen Kopfschmerz- und Schlafmittel. Lakritz verträgt sich nicht mit bestimmten Medikamenten zum Entwässern. Es kommt zu verstärktem Kaliumverlust, wenn man die entwässernde Arznei schluckt und viel Lakritze isst.

Computerprogramm hilft Ärzten bei Verordnung
Einen elektronischen Berater, der den Arzt durch den unübersichtlichen deutschen Arzneimittelmarkt leitet, hat jetzt das Universitätsklinikum Heidelberg eingeführt. Der Arzneimittel-Informations-Dienst AiD berücksichtigt sämtliche neue sowie wieder zurückgezogene Medikamente und unterstützt den Arzt bei der diffizilen Arzneimittel-Verordnung. Der Dienst enthält Informationen zu über 57.000 Arzneimitteln, die in Deutschland auf dem Markt sind. Im Rhein-Neckar-Raum wird das System auch in der hausärztlichen Praxis erprobt. Rund 40 Hausarztpraxen sind mit dem Computersystem der Uniklinik Heidelberg verbunden. Egal, ob die Patienten in der Klinik liegen oder bei ihrem Hausarzt vorsprechen - die Ärzte stimmen sich über die medikamentöse Therapie ihrer Patienten ab.

Medikamente richtig einnehmen
Wenn man mehrere Medikamente zugleich einnimmt, können sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung abschwächen, verstärken oder verfälschen. Man sollte daher jeden Arzt informieren, welche Arzneien man bereits anderweitig einnimmt, auch freiverkäufliche wie z.B. Johanniskraut. Apotheker verfügen über Datenbanken, mit denen sie überprüfen können, ob sich verschiedene Präparate miteinander vertragen. Tabletten, Kapseln oder Dragees sollten mit mindestens einem Glas Wasser eingenommen werden. Andere Getränke sind ungeeignet. Milch, Kaffee, Cola-Getränke, schwarzer, grüner oder Mate-Tee, Fruchtsäfte oder alkoholische Getränke können die Wirkung eines Arzneimittels verstärken oder abschwächen. Vor oder nach dem Essen? Ein Glas Wein wirkt auf nüchternen Magen anders als bei wohlgefülltem Magen. Das ist bei Medikamenten nicht anders. Manche reizen den Verdauungstrakt, wenn sie auf nüchternen Magen geschluckt werden, bei anderen wiederum ist die Einnahme auf nüchternen Magen notwendig. Vorsicht beim Tabletten-Teilen: dadurch können ungleiche Wirkstoffmengen entstehen. Manche Tabletten sind gar nicht teilbar. Unbedingt die Empfehlung im Beipackzettel oder die Anweisungen des Arztes einhalten! Wenn unerwünschte Wirkungen auftreten, sofort an den behandelnden Arzt oder den Apotheker wenden.

Quelle: Fernsehbeitrag SWR BW ausgestrahlt am 23.02.2006 18:00 Uhr