Presse-Mitteilung Januar 2007


Per Mouseclick ruft der Klinikarzt die Medikamente des aufgenommenen Patienten ab

Im Projekt HeiCare hinterlegen Hausärzte die Medikamentenliste ihrer Patienten elektronisch und haben Zugriff auf das Arzneimittel-Informations-Portal (AiDKlinik) des Universitätsklinikums Heidelberg

Hausärzte im Rhein-Neckar-Kreis können ab sofort den aktuellen Medikamentenplan ihrer Patienten in einer Datenbank des Universitätsklinikums Heidelberg hinterlegen. Bei der Aufnahme eines Patienten ins Klinikum liegen diese wichtigen Daten dann unmittelbar vor.

Voraussetzung dafür ist, dass die Hausärzte am Heidelberger Modellprojekt HeiCare teilnehmen, das von der AOK Baden-Württemberg, dem Universitätsklinikum und den Hausärzten getragen wird. Darüber hinaus können die Hausärzte auf umfassende Informationen zu den mehr als 64.000 Arzneimitteln des deutschen Arzneimittelmarkts zugreifen sowie auf Therapiehilfen zur Dosierung und Vermeidung von Wechselwirkungen verschiedener Präparate.

Chronisch kranke Patienten nehmen bis zu 12 Medikamente am Tag ein

"Den Medikamentenplan können unsere Klinikärzte bei Einweisung des Patienten jederzeit abrufen - auch bei Nacht oder am Wochenende", erklärt Professor Dr. Walter Haefeli, Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin VI, Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Sein Team hat die elektronische Informationsplattform AiDKlinik zu Arzneimitteln am Universitätsklinikum entwickelt, deren Nutzung nun seit einem Jahr auch Hausärzten offen steht.

"Bei diesen Patienten können sofort die richtigen Therapien nach Aufnahme ins Krankenhaus weitergeführt und gegebenenfalls angepasst werden", so Haefeli. Vor allem chronisch Kranke profitieren von der gemeinsamen Nutzung der Datenbank durch Haus- und Klinikärzte. "In der Regel nehmen diese Patienten zehn bis zwölf Medikamente am Tag ein", erläutert Professor Dr. Joachim Szecsenyi, Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Klinikum und verantwortlich für die Koordination zwischen Hausärzten und Klinikum in diesem Projekt. Viele Patienten sind auch in sogenannte Chronikerprogramme oder "Disease Management-Programme" (DMP) der AOK eingeschrieben.

Medikamentenlisten im geschützten Arzneimittel-Internetportal gespeichert

Im Rahmen des HeiCare-Projekts speichern die Hausärzte alle wichtigen Informationen zur Arzneimitteltherapie im Passwort-geschützten Arzneimittel-Internetportal "AiDPraxis" ab. Dazu werden die Medikamente in eine Verordnungsliste aufgenommen. Bei einer Klinikeinweisung des Patienten wird diese an das klinikinterne Arzneimittelportal "AiDKlinik" übertragen.

Das in enger Kooperation mit der Apotheke des Universitätsklinikums entwickelte Portal wird im Klinikum bereits seit vielen Jahren genutzt - pro Tag werden rund 1.700 Anfragen an das System gerichtet. AiDKlinik informiert die Klinikärzte - ebenso wie AiDPraxis die Hausärzte - über sämtliche verfügbaren 64.000 Arzneimittel und ermöglicht nicht nur die Übertragung der vom Hausarzt verschriebenen Medikamente. Binnen weniger Sekunden liefern die elektronischen Datenbanken Informationen, z.B. zu Unverträglichkeiten mit anderen Arzneimitteln oder der richtigen Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion.

Klinik teilt Entlassmedikation per Fax an Hausärzte mit

Bislang haben bereits 40 Hausärzte in der Rhein-Neckar-Region die Medikamentenpläne ihrer Patienten in AiDPraxis aufgenommen. "Ich habe schon von rund 40 meiner chronisch kranken Patienten diese Angaben hinterlegt", berichtet Dr. Ulrike Pfisterer, die seit einem Jahr bei HeiCare mitmacht. Die Allgemeinärztin aus Leimen ist überzeugt von dem Projekt und fühlt sich von den Klinikkollegen zudem besser informiert: Bereits 24 Stunden vor Entlassung aus der Klinik erhält die Hausärztin meist vom Universitätsklinikum ein Fax und wird darin über die Entlassmedikation des Patienten informiert.

Hausärzte, die noch keinen teilnehmenden Patienten haben, können sich einschreiben und die Vorteile des AiDPraxis-Portals nutzen. Dafür wenden sich Ärztinnen und Ärzte bitte an Frau Dr. Sabine Ludt, Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Voßstr. 2, 69115 Heidelberg, Tel. 06221-56 4825, Fax: 06221 - 561972, sabine.ludt@med.uni-heidelberg.de. Für interessierte Patientinnen und Patienten steht gerne der Hausarzt als Ansprechpartner zur Verfügung.


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